Agrar Magazin / Aktuelles

Aktuelles

Unser Wasser ist sauber!

(swiss-food.ch) - Unser Wasser ist sauber!

Am vergangenen Wochenende wurde in den Sonntagsmedien über die Qualität unseres Trinkwassers berichtet. Eines vorweg: Wir verfügen in der Schweiz über eine der höchsten Trinkwasserqualitäten der Welt. Was in der Diskussion um die Qualität unseres Trinkwassers immer wieder ins Feld geführt wird sind die Reststoffe. Dabei müssen wir wissen, dass mit der heutigen Analytik praktisch jede Stoffklasse – wenn sie denn vorhanden ist – gemessen werden kann. Das ist grundsätzlich wünschenswert. Nur sollten wir dabei nicht Messbarkeit mit Gefährdung gleichsetzen.

Bei der Diskussion um die Rückstände in Lebensmitteln richtet sich der Zorn zumeist auf die Pflanzenschutzmittel. Relevant für ein allfälliges Gesundheitsrisiko ist jedoch, ob ein Stoff negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt hat und in welcher Konzentration er auftritt. Und um Gesundheitsrisiken zu verhindern, bestehen Grenzwerte. Diese beinhalten eine Sicherheitsmarge mit Faktor 100. Das bedeutet: Erst beim Hundertfachen eines Grenzwertes kann eine Auswirkung auf unsere Gesundheit bestehen.

Wie zu lesen war, wurde im Evian-Wasser ein für Mensch und Umwelt unschädliches (also ein sogenannt nicht-relevantes) Abbauprodukt des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil in einer Konzentration von sechs Nanogramm pro Liter (0,006 Mikrogramm pro Liter) gefunden. Dieser Wert liegt mehr als 16-mal unter dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für relevante Abbauprodukte und mehr als 1600-mal unter dem Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter für nicht relevante Abbauprodukte, wie er in den Schweizer Vorschriften und Bestimmungen definiert ist. Die im Evian gefundene Konzentration liegt demnach weit unter beiden Grenzwerten. Wo bitte ist das Problem?

Wie tief die Grenzwerte angesetzt sind veranschaulicht ein Beispiel aus dem Strassenverkehr. Bekanntlich müssen wir bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h einen Sicherheitsabstand von 60 Metern auf das vor uns fahrende Fahrzeug einhalten. Jetzt wenden wir den obengenannten Faktor 100 an. Resultat: Den vor uns fahrenden Strassenverkehrsteilnehmer sehen wir nicht mehr. Denn wir halten einen Sicherheitsabstand – mit Faktor 100 – von sechs Kilometern ein. Dies zeigt auf, wie tief die Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel angesetzt sind. Dass beispielsweise Alkohol viel schädlicher ist und man pro Tag 100 Badewannen voll Wasser trinken müsste, um den Grenzwert zu erreichen, darüber schrieb Jürg Vollmer in seinem Blog Smart Farming.

Unsere Bauern produzieren für uns gesunde Nahrungsmittel. Und nicht nur im Biolandbau, sondern auch konventionell. Um die benötigten Mengen an Lebensmitteln effizient und nachhaltig herzustellen, setzen sie Pflanzenschutzmittel ein. Und Gott sei Dank können die damit verbundenen Rückstände auch gemessen werden. Nur: Wenn wir dann diese Rückstände, die sich im Nano- und Mikrobereich bewegen als gesundheitsgefährdend bezeichnen, grenzt dies an Demagogie.

Der Sprecher des Seewasserwerk Lengg bringt es gegenüber der NZZ am Sonntag auf den Punkt: Was heisst schon sauber? Auch der Wirkstoff von Aspirin ist im Züriwasser nachweisbar. Allerdings in unbedenklichen Konzentrationen. «Um auf eine Aspirintablette zu kommen, müsste man 7’000 Jahre lang täglich zwei Liter Wasser trinken».

Wir sollten daher aufhören, die Bevölkerung mit der komplexen Materie der Grenzwerte zu verunsichern. Oder noch schlimmer: Eine Null-Toleranz zu fordern.

Wir wünschen eine interessante Lektüre.

swiss-food.ch